Satellitenbild des Monats – März – Rio Grande do Sul (Brasilien)

Rio Grande do Sul – Brasilien, aufgenommen vom Sentinel-1A Satelliten am 11.05.2024 und 04.06.2024

11.05.2024 04.06.2024

Das Satellitenbild des Monats März ist der dritte Teil unserer zwölfteiligen visuellen Reise. Es bildet den Abschluss des Themenblocks „Akute Gefährdung – Sichtbar aus dem All“, der sich mit Naturgefahren, ihren sichtbaren Auswirkungen und den Möglichkeiten satellitengestützter Analyse befasst.
Das Bild zeigt einen Teil des brasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens. Dieses Mal haben wir erstmals ein Bild ausgewählt, das auf Synthetic Aperture Radar (SAR)-Daten basiert. Für die Darstellung wurde ein Komposit aus den Polarisationsbändern VV und VH des Sentinel-1A-Satelliten verwendet. Detaillierte Informationen zur Satellitenbildaufbereitung und dem eingesetzten Sentinel-1-Komposit finden sich hier.

Aufbau des Bildes

Im Bildausschnitt ist der Fluss Rio Jacuí als blaues Band zu sehen. Er verläuft von West nach Ost und mündet bei der Stadt Porto Alegre, die im rechten Teil des Bildes in grellen Gelb- und Rottönen erkennbar ist, in den See Lago Guaíba. Der Lago Guaíba geht schließlich in die deutlich größere Lagune Lagoa dos Patos über, die in der unteren rechten Ecke des Bildes zu erkennen ist. Die Lagoa dos Patos steht wiederum mit dem Atlantischen Ozean in Verbindung.

Flut 2024

Im April und Mai 2024 kam es in der Region zu schweren Überschwemmungen. Sie wurden durch außergewöhnlich starke und lang anhaltende Niederschläge ausgelöst und zählen zu den schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte Brasiliens. Besonders betroffen war das Einzugsgebiet des Rio Jacuí, dessen stark erhöhter Abfluss große Wassermengen in den Lago Guaíba transportierte. Dadurch stieg der Wasserstand des Sees stark an, was zu großflächigen Überschwemmungen in der Metropolregion führte. Die Flut verursachte große Schäden an Infrastruktur, Wohngebieten und landwirtschaftlichen Flächen in der gesamten Region. Es kam außerdem mindestens 180 Todesfällen.

Der Vergleich der beiden Sentinel-1-Aufnahmen, die während des Hochwassers und einige Woche später aufgenommen wurden, zeigt das Ausmaß der Überflutungen entlang des Rio Jacuí deutlich.

Analyse mittels Satellitendaten

Wie bei den beiden vorherigen Satellitenbildern des Monat bereits gezeigt, ist der Vergleich von Vorher- und Nachher-Aufnahmen eine gängige Methode, um Naturereignisse mithilfe von Satelliten- und Luftbilddaten zu analysieren. SAR-Daten, wie sie beispielsweise von Sentinel-1 bereitgestellt werden, sind dabei unabhängig von der Wolkenbedeckung undeignen sich daher besonders gut als Ergänzung zu den bisher gezeigten optischen Satellitendaten.

Im Rahmen des VALE-Projekts haben wir bei mundialis eine Methode zur Hochwasseranalyse mithilfe von Sentinel-1-Daten entwickelt. Mit dem Verfahren lassen sich überflutete Flächen automatisiert identifizieren und über ein Jahr hinweg zeitlich aggregieren. Durch die Analyse aller Aufnahmen eines Jahres können Hochwassergefahrenkarten erstellt werden, die sich in Kombination mit weiteren Geodaten (z. B. Bevölkerung oder Landnutzung) für Risikoanalysen nutzen lassen.

Ein anderer Blick auf die Region

Die folgenden Animationen zeigen eine Überlagerung mit OSM-Daten. Die Kartendarstellung wurde mit dem terrestris OpenStreetMap-Dienst erstellt.

Ausblick

Im nächsten Themenblock richten wir den Blick auf Veränderungen, die eher langsam, oft über Jahre hinweg, geschehen. Satellitendaten machen diese „Spuren der Zeit“ sichtbar und zeigen, wie sich Landschaften und Städte wandeln. So lassen sich selbst schleichende Oberflächenveränderungen aus dem All beobachten, messen und analysieren.

Contains modified Copernicus Sentinel data (2024)/ESA – created by mundialis

Satellitenbilder für Ihre Wand gibt es unter https://art-from-space.de